16
Nov
2009

Der Bücherfreund

atHome-048
Ob ich Biblio- was bin?
Phile? "Freund von Büchern" meinen Sie?
Na, und ob ich das bin!
Ha! und wie!

Mir sind Bücher, was den anderen Leuten
Weiber, Tanz, Gesellschaft, Kartenspiel,
Turnsport, Wein und weiß ich was, bedeuten.
Meine Bücher --- wie beliebt? Wieviel?

Was, zum Henker, kümmert mich die Zahl.
Bitte, doch mich auszureden lassen.
Jedenfalls: viel mehr, als mein Regal
Halb imstande ist zu fassen.

Unterhaltung? Ja, bei Gott, das geben
Sie mir reichlich. Morgens zwölfmal nur
Nüchtern zwanzig Brockhausbände heben ---
Hei ! das gibt den Muskeln die Latur.

Oh, ich mußte meine Bücherei,
Wenn ich je verreiste, stets vermissen.
Ob ein Stuhl zu hoch, zu niedrig sei,
Sechzig Bücher sind wie sechzig Kissen.

Ja natürlich auch vom künstlerischen
Standpunkt. Denn ich weiß die Rücken
So nach Gold und Lederton zu mischen,
Daß sie wie ein Bild die Stube schmücken.

Äußerlich? Mein Bester, Sie vergessen
Meine ungeheure Leidenschaft,
Pflanzen fürs Herbarium zu pressen.
Bücher lasten, Bücher haben Kraft.

Junger Freund, Sie sind recht unerfahren,
Und Sie fragen etwas reichlich frei.
Auch bei andern Menschen als Barbaren
Gehen schließlich Bücher mal entzwei.

Wie ? - ich jemals auch in Büchern lese??
Oh, sie unerhörter Ese---
Nein, pardon! - Doch positus, ich säße
Auf dem Lokus und Sie harrten
Draußen meiner Rückkehr, ach dann nur
Ja nicht länger auf mich warten.
Denn der Lokus ist bei mir ein Garten,
Den man abseits ohne Zeit und Uhr
Düngt und erntet dann Literatur.

Bücher - Nein, ich bitte Sie inständig:
Nicht mehr fragen! Laß dich doch belehren!
Bücher, auch wenn sie nicht eigenhändig
Handsigniert sind, soll man hochverehren.

Bücher werden, wenn man will, lebendig.
Über Bücher kann man ganz befehlen.
Und wer Bücher kauft, der kauft sich Seelen,
Und die Seelen können sich nicht wehren.

Joachim Ringelnatz

14
Nov
2009

Mein Kind, wir waren Kinder

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Mein Kind, wir waren Kinder,
Zwei Kinder, klein und froh;
Wir krochen ins Hühnerhäuschen,
Versteckten uns unter das Stroh.

Wir krähten wie die Hähne,
Und kamen Leute vorbei -
Kikereküh! sie glaubten,
Es wäre Hahnengeschrei.

Die Kisten auf unserem Hofe
Die tapezierten wir aus,
Und wohnten drin beisammen,
Und machten ein vornehmes Haus.

Des Nachbars alte Katze
Kam öfters zum Besuch;
Wir machten ihr Bückling und Knickse
Und Komplimente genug.

Wir haben nach ihrem Befinden
Besorglich und freundlich gefragt;
Wir haben seitdem dasselbe
Mancher alten Katze gesagt.

Wir saßen auch oft und sprachen
Vernünftig, wie alte Leut
Und klagten, wie alles besser
Gewesen zu unserer Zeit;

Wie Lieb und Treu und Glauben
Verschwunden aus der Welt,
Und wie so teuer der Kaffee,
Und wie so rar das Geld! - - -

Vorbei sind die Kinderspiele,
Und Alles rollt vorbei -
Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb und Treu.

Heinrich Heine (1797-1856)

13
Nov
2009

An Prinzessin Amalie

Zu meiner Schwester flieg' behende,
Nach Magdeburg, mein Lied, und sag',
Nun gehe bald der letzte Tag
Von ihrer dritten Flucht zu Ende.
Die stolze Trias, die mich einst verfemt,
Scheint zu verröcheln und wird zahm; das Heer
Des Allerchristlichsten, besiegt, gelähmt,
Vom Rausch ernüchtert, sucht das Weite;
Nie werden seine Lilien mehr
Des Reiches Adlern wehn zur Seite.
Zwar nach dem Abfall dieser Horden
Will unversöhnlich Ungarns Königin
Aus Hochmut, Ehrsucht, Eigensinn,
Vereinend mit der Herrscherin im Norden
Die Eisenrüstung und den Eisenwillen,
Die Walstatt abermals mit Blut
Rot färben, um voll Tigerwut
Des Todes nie gelöschten Durst zu stillen.
Doch unser Flehn wird das Geschick erweichen;
Ein Spiel der Wogen und der Sturmgewalt,
Wird unser schwankes Fahrzeug bald
Auf glatter Bahn den sichern Port erreichen.
Doch wieviel Mühsal kostet noch dies Jahr,
Bevor am Glückstag, den wir heiß ersehnen,
Der Friede freudenvoll auf immerdar
Verscheuchen wird die Seufzer und die Tränen!

Friedrich der Große, 1760

12
Nov
2009

Trost

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Kurz bevor die Sonne aufgeht,
ist die Nacht am dunkelsten.
Selma Lagerlöf

11
Nov
2009

Beautiful Day - U2

09-11-03-039The heart is a bloom
Shoots up through the stony ground
There's no room
No space to rent in this town

You're out of luck
And the reason that you had to care
The traffic is stuck
And you're not moving anywhere

You thought you'd found a friend
To take you out of this place
Someone you could lend a hand
In return for grace

It's a beautiful day
Sky falls, you feel like
It's a beautiful day
Don't let it get away

You're on the road
But you've got no destination
You're in the mud
In the maze of her imagination

You love this town
Even if that doesn't ring true
You've been all over
And it's been all over you

It's a beautiful day
Don't let it get away
It's a beautiful day

Touch me
Take me to that other place
Teach me
I know I'm not a hopeless case

See the world in green and blue
See China right in front of you
See the canyons broken by cloud
See the tuna fleets clearing the sea out
See the Bedouin fires at night
See the oil fields at first light
And see the bird with a leaf in her mouth
After the flood all the colors came out

It was a beautiful day
Don't let it get away
Beautiful day

Touch me
Take me to that other place
Reach me
I know I'm not a hopeless case

What you don't have you don't need it now
What you don't know you can feel it somehow
What you don't have you don't need it now
Don't need it now
Was a beautiful day

10
Nov
2009

Postcard from heaven

To the best thing in your life
There are things you don't appreciate
At all
So it's best that you don't try
Holding back the time
Are you ever, gonna be
Quite satisfied



Postcard from heaven
Go to where you belong
Never find the perfect situation
Till you know where your from
If you ever, say goodbye
No regrets, I won't ask why
And I wish you all the best love
In the world
Should you ever, change your mind
Holding back the sunshine
Why you ever, gonna be
Quite satisfied



Postcard from heaven
Go to where you belong
Never find the perfect situation
Till you know where your from

8
Nov
2009

Selig sind die geistig Armen

Waterster-021

Selig sind die geistig Armen,
denn sie stecken nie die Nase
in den Brunnenschacht des Lebens
voll gefährlich gift´ger Gase.

Trinken oben aus dem Becken
fromm mit Ochs und Schaf zugleich.
Und dereinst, wenn sie sich strecken,
erben sie das Himmelsreich.

Christian Morgenstern

7
Nov
2009

So trollen wir uns ganz fromm und sacht - Zupfgeigenhansel

babsi-083
Carl Mikael Bellman, 1740-1795

So trollen wir uns ganz fromm und sacht
Von Weingelag und Freudenschmaus,
Wenn uns der Tod ruft: Gute Nacht,
Dein Stundenglas rinnt aus.
Wer heut noch frech den Schnabel wetzt
Und glaubt ein großer Herr zu sein:
Paß auf, der Schreiner hobelt jetzt
Schon grad? an deinem Schrein!
Scheint das Grab dir tief und dumpf sein Druck,
A la vot, so nimm noch einen Schluck
Und noch einen hinterher,
Gleich noch zwei, dreie mehr,
Dann stirbst du nicht so schwer.

Wer nach des andern Liebster schielt
Und hält sich noch als Nobelmann
Paß auf! dem Spielmann, der dir spielt,
Springst du ins Grab voran.
Und du, der blind vor Eifersucht
Zerschmiß einst jedes Glas im Saal
Wenn dich der Tod im Bett besucht
Lang lebe dein Rival!
Scheint das Grab dir tief und dumpf sein Druck
A la vot, und nimm noch einen Schluck
Und noch einen gleich dabei
Und noch zwei und manchmal drei
Dann stirbst du sorgenfrei.

Was hilfts, wenn du vor Wut ausspuckst:
Der Tod ist keiner Münze feil
Bei jedem Schlückchen, das du schluckst,
Schluckt schon der Wurm sein Teil
Ob nied'res Pack, ob hohe Herrn,
Am Ende sind wir Brüder doch
Dann leuchtet uns der Abendstern
Ins gleiche finstre Loch.
Doch scheint das Grab dir tief und dumpf sein Druck
A la vot, und nimm noch einen Schluck
Und noch einen hinterher
Und noch zweie, dreie mehr
Dann stirbst du nicht so schwer.
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