31
Jan
2010

Freiheit

Ach, umsonst auf allen Länderkarten
spähst du nach dem seligen Gebiet,
wo der Freiheit ewig grüner Garten,
wo der Menschheit schöne Jugend blüht.
In des Herzens heilig stille Räume
mußt du fliehen aus des Lebens Drang:
Freiheit ist nur in dem Raum der Träume,
und das Schöne blüht nur im Gesang.


Friedrich von Schiller

30
Jan
2010

Segelfahrt

Nun sänftigt sich die Seele wieder
und atmet mit dem blauen Tag,
und durch die auferstandnen Glieder
pocht frischen Bluts erstarkter Schlag.

Wir sitzen plaudernd Seit an Seite
und fühlen unser Herz vereint;
gewaltig strebt das Boot ins Weite,
und wir, wir ahnen, was es meint.

Christian Morgenstern

29
Jan
2010

Und einmal steht das Herz am Wege still

Dammse-Vaart-001-107-

Häuser und Mauern, welche die Menschen überdauern,
Bäume und Hecken, die sich über viele Menschenalter strecken,
Dunkel und Sternenheer, in unendlich geduldiger Wiederkehr,
Kamen mir auf den Hügelwegen in der Sommernacht entgegen.
Nach der Farbe von meinen Haaren, bin ich noch der wie vor Jahren,
Nach meiner Sprache Klang und an meinem Gang
Kennen mich die Gelände und im Hohlweg die Felsenwände.
Viele Wünsche sind vergangen, die wie Sterne unerreichbar hangen,
Und einmal steht das Herz am Wege still,
Weil es endlich nichts mehr wünschen will.

Max Dauthendey

26
Jan
2010

Traurigkeit die jeder kennt

Man weiß von vornherein, wie es verläuft.
Vor morgen früh wird man bestimmt nicht munter.
Und wenn man sich auch noch so sehr besäuft:
die Bitterkeit, die spült man nicht hinunter.
Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund.
Und angefüllt ist man mit nichts als Leere.
Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund.
Es ist, als ob die Seele unwohl wäre.

Man will allein sein. Und auch wieder nicht.
Man hebt die Hand und möchte sich verprügeln.
Vorm Spiegel denkt man: "Das ist dein Gesicht?"
Ach, solche Falten kann kein Schneider bügeln.

Vielleicht hat man sich das Gemüt verrenkt?
Die Sterne ähneln plötzlich Sommersprossen.
Man ist nicht krank. Man fühlt sich nur gekränkt.
Und hält, was es auch sei, für ausgeschlossen.

Man möchte fort und findet kein Versteck.
Es wäre denn, man ließe sich begraben.
Wohin man blickt, entsteht ein dunkler Fleck.
Man möchte tot sein. Oder Gründe haben.

Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben.
Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam.
Mal ist man unten, und mal ist man oben.
Die Seelen werden immer wieder zahm.

Der Eine nickt und sagt: "So ist das Leben."
Der andre schüttelt seinen Kopf und weint.
Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben!
Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint.

Erich Kästner

24
Jan
2010

Ein Fräulein stand am Meere

Das Fräulein stand am Meere
und seufzte lang und bang.
Es rührte sie so sehre
der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! Sein sie munter,
das ist ein altes Stück;
hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine (1797-1856)

17
Jan
2010

Mein kleiner großer Schatz

IMG_8485
Hab dich als Baby grad noch sitzen sehn
und eins, zwei, drei gelang's dir, aufzustehn
mit großen Schritten um dein Ställchen zu gehn
du lerntest stehn durch fallen

Seh dich noch mit dem ersten Fahrrad fahr'n
und kurz danach schon für ein Auto spar'n
ich sah Gefahren, wo sie gar nicht war'n
und du wurdest immer schöner

Mein kleiner Schatz
kleiner großer Schatz
wann sind wir endlich da
war deine Lieblingsfrage

Ich seh dein Zimmer, als ob's gestern wär'
die Sonne schien schon, doch dein Bett war leer
sie ist groß, kein kleines Mädchen mehr
das sagte ich zu deinem Teddy

Ich hab dein Söhnchen vor uns sitzen sehn
ihm gelang es aufzustehn
mit großen Schritten um sein Ställchen zu gehn
auch er lernt jetzt stehn durch fallen

Mein kleiner Schatz
kleiner großer Schatz
wann sind wir endlich da
das wirst du schon noch sehen

Sogar dein Name ist schön
schöner als alle anderen
so hieß auch deine Oma

Mein kleiner Schatz
kleiner großer Schatz
wann sind wir endlich da
das kann ich dir nicht sagen

Herman van Veen

12
Jan
2010

Laziest Gal in Town

It's not 'cause I wouldn't,
It's not 'cause I shouldn't,
And, you know though well, it's not 'cause I couldn't,
It's simply because I'm the laziest gal in town.

My poor heart is achin'
To bring home the bacon,
And if I find myself alone and forsaken,
It's simply because I'm the laziest gal in town.

Though I'm more than willing to learn
How these gals get so much extra money to burn,
Every proposition I just turn it down,
'Way down,

It's not 'cause I wouldn't,
It's not 'cause I shouldn't, honey,
And, you know, that it's not 'cause I couldn't,
It's simply because I'm the laziest gal in town.

11
Jan
2010

Nutzlose Qual

Ein Mensch hat eines Nachts geträumt,

Er habe seinen Zug versäumt,

Und er wacht auf mit irrem Schrei -

Jedoch, es ist erst viertelzwei.

Der Schlaf löst die verschreckten Glieder.

Doch sieh, da plötzlich träumts ihm wieder,

Und er wacht auf mit irrem Schrei -

Jedoch, es ist erst vierteldrei.

Er schmiegt sich wieder in die Kissen,

Da wird aufs neu sein Schlaf zerrissen.

Der Schrei ertönt, der Mensch erwacht -

Und diesmal ist es viertelacht.

Der Zug jedoch pflegt abzugehn

Tagtäglich, pünktlich sieben Uhr zehn.

Moral: Was nützt der schönste Schrecken,

Kann er zur rechten Zeit nicht wecken . . .?

Eugen Roth
logo

salent

******

salent
Bilderalben:

twoday.net

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 7211 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Dez, 10:47

Augustin Wibbelt
Franz von Sales
Adelbert von Chamisso
Adolf Glaßbrenner
Albert Einstein
Alexander von Bernus
Amy Macdonald
Anastasius Grün
Angelus Silesius
Annette von Droste-Hülshoff
Astrid Lindgren
Bell Book and Candle
Bertolt Brecht
Bob Dylan
Brentano
Bruno Mars
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren