6
Jun
2010

Summer Rain

Regen-019


When you stop seeing beauty, you start growing old

The lines on your face are a map to your soul

When you stop taking chances, you'll stay where you sit

You won't live any longer, but it'll feel like it

I lost myself in the summer rain - I lost myself

I lost myself in the summer rain

In the summer rain


Tequila and orange - Jamaica and rum

At the Morella - honey on my tongue

In a small boat on a generous sea

Let me be your enemy

Tiny hand with a grip on the world

Holding our breath now - diving for pearls



I lost myself in the summer rain - I lost myself

I lost myself in the summer rain



Just as you find me, always I will be

A little bit too free with myself

Just as you find me, always I will be

A little bit too free with myself



I lost myself in the summer rain - I lost myself

Now there's no-one else in the summer rain

Raining down - it's raining down - rain

Raining now - raining now



Just as you find me



It's not why you're running - it's where you're going

It's not what you're dreaming, but what you're gonna do

It's not where you're born - it's where you belong

It's not how weak, but what will make you strong


U2

4
Jun
2010

Schrei

Ein Werk, ein Werk!
Schenke ein Werk mir, lebendige Kraft,
Die du Keime aus totem Erdreich treibst
Und befruchtend aus Luft in geöffnete Kelche sinkst!
Schenke ein Werk mir, größer als ich,
Wirf einen Block auf meinen Weg,
Der den Ausblick mir wehrt mit seiner Schwere.
Und laß meine Muskeln sich spannen,
Zum Zerreißen sich spannen Tag für Tag,
Bis ich nichts weiß, nichts fühle mehr als Wucht und Spannung,
Bis jede Nacht mich zum traumlosen Ding zernichtet,
Und jede Sonne mich aufreißt zu tötendem Kampf,
Bis ich den Block auf heiligen Berges Gipfel,
Da deine Stimme zu mir spricht,
Dir zum Altar erhoben.
Aber bis dahin lösche mich aus
Vor meines Werkes eigenwilligem Fordern.

Denn Neid bricht in mich ein,
Gedenke ich jener,
Deren Tage nichts anderes
Als ein Besessensein vom Werk gewesen.
Was konnte ihnen geschehen?
Sie hatten keinen Leib.
Sie fühlten nicht der Witterung Niederschlag und Schwere,
Die mich zermürbt und meine Seele trostlos macht.
Ihnen war Rausch nur wie dem Eisen
Der treibende Strom, der mit neuer Schwungkraft
Zum Werke sie lädt.
Ich aber bin Leib, der fordert und heischt.
Jenen war fremd
Gemeine Menschensatzung,
Denn nur wie durch Nebel des Ätherrausches
Fühlten sie vag die Schmerzen
Der Erdgebundenheit.
Kämpfer mit Gott
Rangen sie nur mit ihm.
Sie brauchten nicht Freund und Gefährtin
Im Kampfe der Liebe.
Kein Schicksal konnte sie trüben
In einer Liebe,
Kein Schicksal im Hasse der Menschen.
Ich aber bin erdgebunden. Ich habe Menschen,
Für die ich zittere in Not und Qual,
Kein Werk im Geiste.
Wenn mich in ihnen das Schicksal trifft,
Wer bin ich dann?

Ein Werk! Ein Werk!
Schenke ein Werk mir, lebendige Kraft,
Daß mein Räusche sich erhöhen über den Augenblick,
Damit ich weiß, weswegen ich gelitten!


Hedwig Caspari

31
Mai
2010

Einem fernen Freunde

DSCF0086

Mit dem ´Du` im Herzen darf man schweigen,
Um so tiefer dann sein Innres zeigen,
Wenn die Stunde kommt, da ganz allein
Leben sich dem Leben drängt zu weihn...
Und es ist ein still beständig Wissen,
Und es ist ein ruhiges Vertrauen:
Unser Freundeskranz wird unzerrissen

Schweben in Maienlüften wie in rauhen
Sturmesnächten schlimmeren Geschicks...
Nein, es ist kein Rausch des Augenblicks,
Wie ihn rasches Jugendblut verdampft,
Keine Traumsaat, die der Tag zerstampft —
Wir belauschen unser altes Spiel
Und gedenken und besinnen viel...

Karl Henckell, 1864-1929

21
Mai
2010

Bäume

Hamburg-079

Könige seid ihr,
denn die Erde liebt euch am meisten,
darum hält sie euch
innig fest.
Nährt aus unversiegbarer Fülle
die heiligen Wurzeln.
Aber auch der Himmel liebt euch
im ewigen Kusse,
und der Wind
spielt mit euren Kronen,
oder beugt den schlanken Leib
in mächtiger Umarmung.
Nach des Regens
gütigem Segen
glänzen die Blätter
in schönerem Grün.

Dankbar ist der Fremdling,
der wegmüd
in des Baumes Schatten sinkt,
sein Haupt
an den braunen Stamm lehnt,
wie an eine große Geliebte.
Besänftigendes
steigt in seine Seele.
Nach des Tages Wanderung
schließen sich schwer
die rosigen Lider,
neigt sich
ein Wunderbares
in seinen Traum.
Über dem einsamen Schläfer
tönt das ewige Rauschen ...



Francisca Stoecklin

18
Mai
2010

Freundschaft

Die Liebe sei ewiger Durst.
Darauf müßte die Freundschaft bedacht sein.
Und, etwa wie Leberwurst,
Immer neu anders gemacht sein.

Damit man's nicht überkriegt.
Wer einmal den Kanal
Überfliegt,
Merkt: Der ist so und so breit.
Und das ändert sich kaum
In menschlein-absehbarer Zeit.
Wohl aber kann man dies Zwischenraum
Schneller oder kürzer durchqueren.
Wie? Das muß die Freundschaft uns lehren.

Ach, man sollte diesen allerhöchsten Schaft,
Immer wieder einmal jünglingshaft
Überschwenglich begießen.
Eh' uns jener ausgeschlachtete Knochenmann dahinrafft.

J. Ringelnatz

11
Mai
2010

Weil du nicht da bist

Weil du nicht da bist, sitze ich und schreibe
All meine Einsamkeit auf dies Papier.
Ein Fliederzweig schlägt an die Fensterscheibe.
Die Maiennacht ruft laut. Doch nicht nach mir.

Weil du nicht da bist, ist der Bäume Blühen,
Der Rosen Duft vergebliches Bemühen,
Der Nachtigallen Liebesmelodie
Nur in Musik gesetzte Ironie.

Weil du nicht da bist, flücht ich mich ins Dunkel.
Aus fremden Augen starrt die Stadt mich an
Mit grellem Licht und lärmendem Gefunkel,
Dem ich nicht folgen, nicht entgehen kann.

Hier unterm Dach sitz ich beim Lampenschirm;
Den Herbst im Herzen, Winter im Gemüt.
November singt in mir sein graues Lied.
»Weil du nicht da bist« flüstert es im Zimmer.

»Weil du nicht da bist« rufen Wand und Schränke,
Verstaubte Noten über dem Klavier.
Und wenn ich endlich nicht mehr an dich denke,
Die Dinge um mich reden nur von dir.

Weil du nicht da bist, blättre ich in Briefen
Und weck vergilbte Träume, die schon schliefen.
Mein Lachen, Liebster, ist dir nachgereist.
Weil du nicht da bist, ist mein Herz verwaist.

Mascha Kaléko

6
Mai
2010

Reisezehrung

Crosewicker-Feld-126

Entwöhnen sollt' ich mich vom Glanz der Blicke,
Mein Leben sollten sie nicht mehr verschönen.
Was man Geschick nennt, läßt sich nicht versöhnen,
Ich weiß es wohl und trat bestürzt zurücke.

Nun wußt' ich auch von keinem weitern Glücke
Gleich fing ich an, von diesen und von jenen
Notwend'gen Dingen sonst mich zu entwöhnen:
Notwendig schien mir nichts als ihre Blicke.

Des Weines Glut, den Vielgenuß der Speisen,
Bequemlichkeit und Schlaf und sonst'ge Gaben,
Gesellschaft wies ich weg, daß wenig bliebe.

So kann ich ruhig durch die Welt nun reisen:
Was ich bedarf, ist überall zu haben,
Und Unentbehrlichs bring' ich mit - die Liebe.

Johann Wolfgang von Goethe

1
Mai
2010

Mailied

Crosewicker-Feld-068
Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch,

Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd, o Sonne!
O Glück, o Lust!

O Lieb, o Liebe!
So golden schön,
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn!

Du segnest herrlich
Das frische Feld,
Im Blütendampfe
Die volle Welt.

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb ich dich!
Wie blickt dein Auge!
Wie liebst du mich!

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmelsduft,

Wie ich dich liebe
Mit warmen Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud und Mut

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

Goethe
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