19
Jul
2010

Kinder reicher Leute

Sie wissen nichts von Schmutz und Wohnungsnot,
Von Stempelngehn und Armeleuteküchen.
Sie ahnen nichts von Hinterhausgerüchen,
Von Hungerslöhnen und von Trockenbrot.

Sie wohnen meist im herrschaftlichen Haus,
Zuweilen auch in eleganten Villen.
Sie kommen nie in Kneipen und Destillen,
Und gehen stets nur mit dem Fräulein aus.

Sie rechnen sich jetzt schon zur Hautevolée
Und zählen Armut zu den größten Sünden.
- Nicht mal ein Auto . . .? Nein, wie sie das finden!
Ihr Hochmut wächst mit Pappis Portemonnaie.

Sie kommen meist mit Abitur zur Welt,
- Zumindest aber schon mit Referenzen -
Und ziehn daraus die letzten Konsequenzen:
Wir sind die Herren, denn unser ist das Geld.

Mit vierzehn finden sie, der Armen Los
Sei zwar nicht gut. Doch werde übertrieben - -.
Mit vierzehn schon! - Wenn sie doch vierzehn blieben.
Jedoch die Kinder werden einmal groß . . .

Mascha Kaléko

15
Jul
2010

Storch

Abendsonne-014
Das ist der vielgereiste Tourist
Herr Storch, der heimgekehrte,
Mit langen stolzen Schritten mißt
Des Daches First der Werthe.

Er trägt, wie’s Wandrerart gebot,
Ein weißes Blousenhemde
Nebst hohen Stiefeln von Juchten roth,
Und preist die schöne Fremde:

»Da wären wir wieder, da wohnen wir
Grad’ über dem Stall der Rinder.
Prophet in der Heimat, bin ich hier
Das Spiel der Bauernkinder.

In Rom wohnt’ ich auf dem Vatikan,
Sah wandeln den Papst im Garten,
Da wuchsen, seht eure Kürbiss’ an,
So groß der Orangen Arten.

Vom Rhein war böse Post gerad’,
Der Papst in Sinnen verloren;
Ich gab ihm einen guten Rath,
Er mir den Orden vom Sporen.

Auch hatt’ er drob mir keinen Verdruß,
Als ich ihm in einem Sitze
Vor Durst aussoff den Tiberfluß,
So groß ist dort die Hitze.

Am Aetna schnell vorüber ging’s,
Zwei sah ich um Schwefel streiten;
Ich schaute rechts, ich schaute links,
Es stank auf beiden Seiten.

Als über das blaue Meer ich zog,
Da flaggten mir alle Schiffe,
Ihr Donner zum Ehrengruß mir flog
Weithin an Gestad’ und Riffe.

In Syrien fand ich ein irres Heer,
Verhungernd, versprengt in der Wüste;
Ich flog vor ihm durch des Sandes Meer
Als Führer zu Mizraims Küste.

Da lag der Feldherr todeskrank,
Zu Ende mocht’ es eilen;
Des Vetters Ibis Kunst sei Dank,
Die mich gelehrt, ihn zu heilen.

Mit weißem Bart der alte Pascha
Zum Großfeldscher mich ernannte,
Gab mir zu Lehn das Nilland da
Und was drin kroch, schwamm, rannte.

Auf Pyramiden, bei fürstlicher Kost,
Durft’ ich in Herrlichkeit thronen;
Mir huldigten Völker aus Süd und Ost,
Wie Göttern der Pharaonen.«

Den Reisebericht indessen erklärt
Frau Storchin den Nachbarinnen:
»Am Nil hat er ein Würmlein verzehrt,
Den Tiber – sah er rinnen.«

Anastasius Grün

11
Jul
2010

Abseits

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen.
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen, niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
-Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

Theodor Storm

(1848)

26
Jun
2010

Mondnacht

Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküsst,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis' die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Joseph von Eichendorff

19
Jun
2010

Nur eine Rose als Stütze

Kijk-Tuin_Juust-Wa-k-Wou-169

"Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.

Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehen.

Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verläßlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltür am Abend schließt.

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze."

Hilde Domin

18
Jun
2010

SI TU N'ÉTAIS PAS LÀ

Breskens-111Si tu n'étais pas la
Comment pourrais-je vivre
Je ne connaîtrais pas
Ce bonheur qui m'enivre
Quand je suis dans tes bras
Mon coeur joyeux se livre
Comment pourrais-je vivre
Si tu n'étais pas là

J'ai parfois malgré moi
Des craintes folles
Même un soir sans te voir
Je me désole
Tu reviens et soudain
Plus de tristesse
Car tu sais l'effacer
Dune caresse

Si tu n'étais pas la
Comment pourrais-je vivre
Je ne connaîtrais pas
Ce bonheur qui m'enivre
Quand je suis dans tes bras
Mon coeur joyeux se livre
Comment pourrais-je vivre
Si tu n'étais pas là

Les projets que je fais
Presque sans trêve
Les beaux soirs ou l'espoir
Berce mon rêve
Nos tourments bien charmants
Si loin du monde
C'est à toi que je dois
Ces joies profondes

Si tu n'étais pas la
Comment pourrais-je vivre
Je ne connaîtrais pas
Ce bonheur qui m'enivre
Quand je suis dans tes bras
Mon coeur joyeux se livre
Comment pourrais-je vivre
Si tu n'étais pas là.

Fréhel

16
Jun
2010

Immer

Wann immer der Tag zu dunkel wird
und kein Licht vom Himmel scheint
wenn du manchmal müde wirst und frierst
und denkst, dass keiner mit Dir weint
wird es immer auch ein Morgen geben
und den Sonnenschein,
ein Licht am Horizont
denn du bist nicht allein

Ich will immer, immer bei dir sein
werd´ alles für dich tun
bin immer für dich da
wenn du mich brauchst
dann werd´ ich immer, immer bei dir sein
alles für dich tun
bin immer für dich da

wann immer der Weg kein Ende findet
und du die Leichtigkeit verlierst
wenn Regen tief in deine Seele fällt
kommt die Einsamkeit zu dir
es gibt etwas auf der Welt
das unsere Seelen hält
und jemand der dich liebt
und der dir alles gibt

Ich will immer, immer bei dir sein
werd´ alles für dich tun
bin immer für dich da
wenn du mich brauchst
dann werd´ ich immer, immer bei dir sein
alles für dich tun
bin immer für dich da

ein schlechter Traum lässt dich nicht schlafen
und du willst raus aus deiner Haut
sehnst dich nach deinem Heimathafen
da bist du sicher, denn der ist dir vertraut

wann immer nur die Zweifel überwiegen
und dir dann die Klarheit fehlt
wirst du immer ein Zeichen von mir kriegen
das dich mit neuem Mut beseelt

Klaus Lage

14
Jun
2010

Menschengefühl

P8121271
Ach ihr Götter! große Götter
In dem weiten Himmel droben!
Gäbet ihr uns auf der Erde
Festen Sinn und guten Mut,
O wir ließen euch, ihr Guten,
Euren weiten Himmel droben!

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