25
Apr
2013

Kleine Morgengabe

Früh in der Morgendämmerung
wird über meiner Stadt der Himmel
manchmal so apfelgrün,
daß ich ihn riechen kann.

Ich werde heute Nacht nicht schlafen,
um ihn zur rechten Stunde zu pflücken
und in dein fernes Fenster zu legen,
daß er dir duftet.

Christine Busta (1915-1987)

21
Apr
2013

Adieu Emile

Adieu Emile
ich liebte dich
Adieu Emile
ich liebte dich, du weißt
wir saßen bei dem selben Wein
wir saßen bei den selben Mädchen
wir sangen mit der gleichen Pein
Adieu Emile
ich sterbe nun
es ist schwer, wenn man im Frühling stirbt
du weißt
ich geh' mit Frieden in der Seele
weil du so rein wie weisses Brot
weiss ich, mein Weib hat keine Not

Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
will, daß man sich wie toll vergnügt
ich will Gesang, will Spiel und Tanz
wenn man mich unter'n Rasen pflügt

Adieu Curé
ich liebte dich
Adieu Curé
ich liebte dich, du weißt
wir waren nicht vom gleichen Ort
wir hatten nicht den selben Weg
wir suchten nur den gleichen Port
Adieu Curé
ich sterbe nun
es ist schwer, wenn man im Frühling stirbt
du weißt
ich geh mit Frieden in der Seele
ich weiß, mein Weib hat keine Not
ihr wart vertraut vor meinem Tod

Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
will, daß man sich wie toll vergnügt
ich will Gesang, will Spiel und Tanz
wenn man mich unter'n Rasen pflügt


Adieu Antoine
ich lieb dich nicht
Adieu Antoine
ich lieb dich nicht, du weißt
es bringt mich nun zum Sterben heut
denn du lebst weiter, und nicht schlecht, mein Freund
weil dich mein Tod doch sicher freut
Adieu Antoine
ich sterbe nun
es ist schwer, wenn man im Frühling stirbt
du weißt
ich geh mit Frieden in der Seele
weil du ihr Hausfreund warst, du Schlot,
weiß ich, mein Weib hat keine Not

Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
will, daß man sich wie toll vergnügt
ich will Gesang, will Spiel und Tanz
wenn man mich unter'n Rasen pflügt


Adieu mein Weib
ich liebte dich
Adieu mein Weib
ich liebte dich, du weisst
ich nehm den Zug zum lieben Gott
den Zug, der noch vor deinem geht
man nimmt grad den, der eben kommt
Adieu mein Weib
ich sterbe nun
es ist schwer, wenn man im Frühling stirbt
du weißt
ich drück die Augen fester zu
dann weiß ich du liest Messen
meiner Seelenruh'

Ich will Gesang, will Spiel und Tanz
will, daß man sich wie toll vergnügt
ich will Gesang, will Spiel und Tanz
wenn man mich unter'n Rasen pflügt



Text: H. Riedel / Musik: J. Brel | Verlag: Hanseatic / Intersong

20
Apr
2013

Nur nicht aus Liebe weinen

Es ist ja ganz gleich, wen wir lieben
Und wer uns das Herz einmal bricht
Wir werden vom Schicksal getrieben
Und das Ende ist immer Verzicht

Wir glauben und hoffen und denken,daß
einmal ein Wunder geschieht.
Doch wenn wir uns dann verschenken
Ist es das alte Lied

Nur nicht aus Liebe weinen
Es gibt auf Erden nicht nur den Einen
Es gibt so viele auf dieser Welt
Ich liebe jeden der mir gefällt
Und darum will ich heut dir gehören
Du sollst mir Treue und Liebe schwören
Wenn ich auch fühle, es muss ja Lüge sein
Ich lüge auch und bin Dein !

Wir kamen von Süden und Norden
Mit Herzen so fremd und so stumm
So bin ich die deine geworden
Und ich kann dir nicht sagen warum
Denn als ich mich an dich verloren
Hab ich eines Andern gedacht
So ward die Lüge geboren
Schon in der ersten Nacht

Nur nicht aus Liebe weinen
Es gibt auf Erden nicht nur den Einen
Es gibt so viele auf dieser Welt
Ich liebe jeden der mir gefällt
Und darum will ich heut dir gehören
Du sollst mir Treue und Liebe schwören
Wenn ich auch fühle, es muss ja Lüge sein
Ich lüge auch und bin Dein !


Russisches Lied aus dem Carl Froelich-Film der Ufa

Es war eine rauschende Ballnacht

Zarah Leander

2
Jan
2013

Aus alten Märchen winkt es

Aus alten Märchen winkt es
Hervor mit weißer Hand,
Da singt es und da klingt es
Von einem Zauberland:

Wo große Blumen schmachten
Im goldnen Abendlicht,
Und zärtlich sich betrachten
Mit bräutlichem Gesicht; -

Wo alle Bäume sprechen
Und singen, wie ein Chor,
Und laute Quellen brechen
Wie Tanzmusik hervor; -

Und Liebesweisen tönen,
Wie du sie nie gehört,
Bis wundersüßes Sehnen
Dich wundersüß betört!

Ach, könnt ich dorthin kommen,
Und dort mein Herz erfreun,
Und aller Qual entnommen,
Und frei und selig sein!

Ach! jenes Land der Wonne,
Das seh ich oft im Traum;
Doch kommt die Morgensonne,
Zerfließts wie eitel Schaum.

Heinrich Heine

28
Dez
2012

Ein altes Stoßgebet, gesprochen 1883

von Hermann Joseph Kappen

Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lasse die Grenzen überflüssig werden.

Lasse die Leute kein falsches Geld machen,
aber auch das Geld keine falschen Leute.

Nimm den Ehefrauen ihr letztes Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.

Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.

Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.

Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.

Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen.
Es muss ja nicht gleich sein.

13
Dez
2012

Der Winter

Die Pelzkappe voll mit schneeigen
Tupfen,

behäng` ich die Bäume mit hellem
Kristall.

Ich bringe die Weihnacht und bringe
den Schnupfen,

Silvester und Halsweh
und Karneval.

Ich komme mit Schlitten aus Nord
und Nord-Ost.

- Gestatten Sie: Winter.
Mit Vornamen:
Frost.

Mascha Kaleko

6
Dez
2012

Spuren des Mondes

Wir gehen den Spuren des Mondes nach,
Unsere Schatten zeichnen sich nur schwach,
Sind wie dunkle Geister, die uns begleiten,
Die auf den Fersen uns folgen zu allen Zeiten.
Ein Baum steht am Weg mit dunklem Dach,
An dem der Mond sich leicht anlehnt.
Unterm Baum sitzt die Sehnsucht unendlich wach,
Und ihr Schatten sich rings um die Erde dehnt.
Der Mond läßt hinter sich den Wald, der ist blau,
Und das Kleefeld, das blinkt voll Blätter und Tau.
Die Nachtluft, die lautlose Seufzer trinkt,
Hin unterm Mond auf das Kleelager sinkt.
Der Sehnsucht, der ist kein Weg zu rauh,
Und ihren Wegen kein Ende winkt.

Max Dauthendey

10
Nov
2012

Ach wie flüchtig, ach wie nichtig

Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Leben!
Wie ein Nebel bald entstehet
Und auch wieder bald vergehet,
So ist unser Leben, sehet!


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Sind der Menschen Tage!
Wie ein Strohm beginnt zu rinnen
Und mit lauffen nicht helt innen,
So fährt unsre Zeit von hinnen!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Freüde!
Wie sich wechseln Stund und zeiten,
Licht und Dunckel, Fried und streiten,
So sind unsre Fröligkeiten !


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Schöne!
Wie ein Blümlein bald vergehet,
Wenn ein rauhes Lüfftlein wehet,
So ist unsre Schöne, sehet!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Stärcke!
Der sich wie ein Löw erwiesen,
Überworffen mit den Riesen,
Den wirfft eine kleine Drüsen!


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Glücke!
Wie sich eine Kugel drehet,
Die bald da, bald dorten stehet,
So ist unser Glücke, sehet!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Ehre!
Über den, dem man hat müssen
Heüt die Hände höflich küssen,
Geht man morgen gar mit Füssen!


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Wissen!
Der das Wort kunt prächtig führen
Und vernünfftig discurriren,
Muß bald alle Witz verlieren!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Tichten!
Der, so Kunst hat lieb gewonnen
Und manch schönes Werck ersonnen,
Wird zu letzt vom Todt erronnen !


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Sind der Menschen Schätze!
Es kan Gluht und Fluth entstehen,
Dadurch, eh wir uns versehen,
Alles muß zu trümmern gehen!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Ist der Menschen Herrschen!
Der durch Macht ist hoch gestiegen,
Muß zu letzt aus unvermügen
In dem Grab erniedrigt ligen!


Ach wie nichtig,
Ach wie flüchtig
Ist der Menschen Prangen!
Der im Purpur hoch vermessen
Ist als wie ein Gott gesessen,
Dessen wird im Todt vergessen!


Ach wie flüchtig,
Ach wie nichtig
Sind der Menschen Sachen!
Alles, alles, was wir sehen,
Das muß fallen und vergehen:
Wer Gott fürcht, wird ewig stehen!

Michael Franck
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